1933-45

[Broschüre: Hitler wie ihn keiner kennt, 1932]

[Plakat: Ein fester Block, 1938]

[Postkarte: "Anschluß Österreich", 1938]

[Flugzettel: Warnung vor Spionen, um 1940]

[Postkarte: Ausstellung "Der eige Jude", 1938]

[Buch: Elvira Bauer %quot;Trau keinem Fuchs ..." 1936]

[Broschüre: "Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los", 1943]

[Postkarte: Nicht Du bist der Maßstab, 1943]




NS-Propaganda


Bereits in der Weimarer Republik war die Propaganda eines der wichtigsten Betätigungsfelder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Die NS-Propaganda konzentrierte sich auf wenige, ständig wiederholte Schlagworte und prägnante Losungen, und sie richtete sich vornehmlich an die breite Masse. Unterschiedliche Bevölkerungskreise wurden mit unterschiedlichen Methoden angesprochen, aber stets sollte die Propaganda "die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse" finden - wie Adolf Hitler 1924 in "Mein Kampf" betonte. Nicht Argumentationen, sondern der Appell an die Emotionen stand bei der NS-Propaganda im Vordergrund - einen Aspekt, den ansonsten nahezu alle Parteien in der Weimarer Republik vernachlässigten. Unermüdlich agierte die NS-Propaganda auch zwischen den Wahlen. Sie beschwor Katastrophen sowie die "nationale Schmach" des Versailler Vertrags und weckte so die Ängste und den Haß der Menschen. In Schwarz-Weiß-Manier wurden mit Demokraten, Kommunisten und Juden Feindbilder stilisiert, denen die Nationalsozialisten die Verantwortung für die politischen und ökonomischen Schwierigkeiten zuordneten. Besonders erfolgreich gelang ihnen dies während der Weltwirtschaftskrise, in deren Verlauf die NSDAP zur Massenbewegung aufstieg.

Organisatorischer Einfallsreichtum der Reichspropagandaleitung der NSDAP - ab 1930 unter Führung von Joseph Goebbels - sowie eine lärmende Öffentlichkeitsarbeit mit Propagandamärschen der Sturmabteilung (SA) und mit einer sorgfältigen Choreographie bei Massenveranstaltungen mit Uniformen, Fahnen und Symbolen übten besonders bei jungen Männern eine verführerische Faszination aus. In Zeiten der Wirtschaftskrise und der Orientierungslosigkeit zu Beginn der 30er Jahre vermittelten die Marschkolonnen der SA den Eindruck von Stärke und Geschlossenheit. Vor allem bediente sich die Propaganda des von ihr aufgebauten "Führerkults". Mythisch überhöht als "nationaler Heilsbringer" und "Erlöser" angepriesen, stand Hitler im Mittelpunkt der Propagandakampagnen. Hitlers Begabung als Agitator und die Suggestivkraft seiner Rhetorik waren auch bei seinen Gegnern unbestritten. Seine oft mehrstündigen, zumeist frei gehaltenen Reden waren in der Weimarer Republik wie im NS-Regime stets ein sorgsam inszeniertes "Gesamterlebnis" mit Aufmärschen, Choral- und Marschmusik, Fackeln und Lichterdom.

"Hitler über Deutschland" titelte die NS-Propaganda anläßlich seiner Wahlkampfreisen per Flugzeug 1932. Sie ermöglichten Hitler Auftritte in bis zu drei Städten am Tag, die bewußt weit auseinander lagen. Die bis dahin im Wahlkampf unbekannte Omnipräsenz eines Politikers vermittelte nachhaltig den Eindruck von Modernität und Vitalität, die Aufbruchstimmung erzeugen und der NSDAP das Image der Jugendlichkeit geben sollten. Ebenfalls 1932 erschien eine Broschüre von Heinrich Hoffmann über "Hitler wie ihn keiner kennt". Zur Identifikation der Bevölkerung mit Hitler wurde er als "normaler Deutscher", als Kinderfreund, technikbegeisterter Autofahrer, Naturliebhaber oder - wie auf dem Titelbild - als Hundefreund dargestellt. Für die Eroberung der Macht 1933 spielten die unterschiedlichen Facetten der NS-Propaganda eine zentrale Rolle.

Wenige Wochen nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde am 13. März 1933 das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" unter Joseph Goebbels eingerichtet. Infolge der Gleichschaltung gewann das Propagandaministerium innerhalb kurzer Zeit die vollständige Kontrolle über das kulturelle Leben und die Medien. Die gleichgeschaltete Presse sowie die Photographie, der Film und vor allem der Rundfunk, der ab 1933 über den preisgünstigen Volksempfänger eine immer größer werdende Anzahl von Hörern erreichte, dienten als wichtigste Instrumente der Massenbeeinflussung. Die NS-Propaganda versuchte ab 1933, die deutsche Gesellschaft in allen Lebensbereichen zu erfassen und zu indoktrinieren - sei es die Erwachsenen in der Freizeit und in der Arbeitswelt oder die Jugend im Kinderzimmer und in der Schule. Die Deutschen sollten in einer "geistigen Mobilmachung" - wie es Goebbels ausdrückte - zu überzeugten Anhängern des NS-Regimes und seiner Weltanschauung werden und geschlossen hinter der NS-Führung stehen.

Eine zentrale Funktion fiel dabei vor allem der ständig propagierten, klassenübergreifenden Volksgemeinschaft zu. Propagandistisch inszeniert wurde sie in Massenveranstaltungen an Gedenk- und Feiertagen wie dem "Heldengedenktag" (16. März), dem "Tag der nationalen Arbeit" (1. Mai), dem Reichsparteitag im September oder dem "Erntedankfest" auf dem Bückeberg im Oktober. In den Aufmärschen der Parteiformationen schienen die Menschenmengen stets in einen "festen Block" zusammenzuschmelzen. Der "Hitlergruß" mit ausgestrecktem rechten Arm und ein tausendfaches "Sieg Heil" sollten die Einheit von "Volk und Führer" demonstrieren. Die Propaganda erzielte in dieser Hinsicht in der deutschen Bevölkerung durchaus beachtliche Wirkung. Prägnante Losungen wie "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" oder "Ein Volk, ein Reich, ein Führer" stießen als Ausdruck von Einigkeit und Einheitlichkeit auf eine breite Identifikationsbereitschaft.

Gleichzeitig intensivierte der NS-Staat seine antisemitische und rassenideologische Propaganda auf vielfältige Weise. In zahlreichen Büchern und auf vielen Plakaten wurde dem "stolzen Deutschen" der "niederträchtige und geldgierige Jude" gegenübergestellt, der ausschließlich auf Profit bedacht war. Am 8. November 1937 eröffnete Goebbels in München die Propagandaausstellung "Der ewige Jude", in der die "halbmenschliche Abartigkeit" und Andersartigkeit der jüdischen Bevölkerung "wissenschaftlich" dargestellt und somit bewiesen werden sollte. Kinderbücher wie "Trau keinem Fuchs", in dem mit bildlicher Gleichsetzung die dem Fuchs nachgesagte Hinterlistigkeit auf Juden übertragen wurde, förderten die Erziehung zum Antisemitismus bereits im Kindesalter. Dennoch gelang es den Nationalsozialisten nicht, im Deutschen Reich eine geschlossene antisemitische Stimmung zu erzeugen. Die Nürnberger Gesetze 1935 oder die Reichspogromnacht am 9. November 1938 fanden trotz intensiver propagandistischer Maßnahmen kaum die von der NS-Führung gewünschte Zustimmung in der Bevölkerung.

Und auch die seit 1938 dominierende Wehrpropaganda und die psychologische Kriegsmobilmachung der Bevölkerung liefen weitgehend ins Leere. Von einer Kriegsbegeisterung konnte nach dem deutschen Überfall auf Polen keine Rede sein. Die ersten Schlachten des Zweiten Weltkriegs standen jedoch ganz im Zeichen deutscher Siege, und der Erfolg über Frankreich im Sommer 1941 ließen die Sympathien für Hitler und die NS-Führung nahezu ins Unermeßliche steigen. Erfolgreiche Heerführer und Ritterkreuzträger der Wehrmacht wie Eduard Dietl wurden von der NS-Propaganda umworben und zu gefeierten Helden. Geradezu zu einem Mythos stilisiert wurde Erwin Rommel, der ein Höchstmaß an Popularität genoß und für die Deutschen eine Identifikationsfigur darstellte.

Mit einer Fülle von Propaganda - vom Luftschutz über das Sammeln von Altstoffen und das Einmachen von Lebensmitteln bis zur Kampagne "Feind hört mit" - sollte den Deutschen Verhaltensmaßregeln im Kriegsalltag nähergebracht werden. Gleichzeitig intensivierte die NS-Führung mit Blick auf den bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion mit Kriegsbeginn die Propaganda gegen das "jüdisch-bolschewistische Untermenschentum" und die Forderung nach "Lebensraum im Osten". Als jedoch die Erfolgsmeldungen von der Ostfront ab 1942 ausblieben, wurde die deutsche Bevölkerung von der Propaganda zunehmend auf eine größere Opferbereitschaft und einen festen Durchhaltewillen sowie schließlich auf den "Totalen Krieg" eingestellt. Eine ständig geschürte Angst vor dem "Einfall asiatischer Horden" ins Deutsche Reich und der Rache der Sowjets sollten die deutsche Bevölkerung an der Heimatfront noch einmal zu Höchstleistungen animieren. Und auch an die Soldaten auf den Schlachtfeldern richtete sich die Propaganda mit Postkarten wie "Nicht Du bist der Maßstab! Sondern die Front!", die auch hier an Opferbereitschaft und Durchhaltewillen appellierten. Die heroischen Darstellungen hatten jedoch nichts gemeinsam mit den alltäglichen Fronterfahrungen der Soldaten und den von ihnen erlebten Schrecken des Kriegs.

(as)

[Kollektives Gedächtnis] Werner Mork: Propaganda und Uniformierung im Dritten Reich
[Kollektives Gedächtnis] Josepha von Koskull: Kriegsalltag und Kriegspropaganda

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